LM-1945

Dietkirchen

Katholische Pfarrchronik

[Dietkirchen, Katholische Pfarrchronik, S. 87 ff]


Neujahrstag 1945

Wie das alte Jahr schloß, begann das neue mit feindlicher Fliegertätigkeit. Besonders Elz wurde in der Nachbarschaft betroffen. Am Neujahrstage wurde das dortige Bahngelände bombardiert. Es gab 2 Todesopfer.

 

Donnerstag, 8. und Freitag, 9. Februar 1945

Der 8. und 9. Februar brachten einen fast Tag u. Nacht andauernden Feindfliegereinsatz. Die Feindtätigkeit am 8. galt vor allem der Aufklärung der Bahnlinien und brachte Dietkirchen Bordwaffenbeschuß ... Es gab mehrere Tote in Limburg. Im Dietkirchener Gelände fielen Bomben in die Lahn ... Im Laufe des Februar wiederholte sich oft tagelanger Fliegeralarm. Alle Einzelheiten können nicht mehr festgehalten werde. Immer wieder fielen Bomben ins Bahngelände .

 

Samstag, 17. März 1945

Täglich ziehen die Bombenverbände ihre Bahn u. beunruhigen die Jagdbomber die Bevölkerung. Am 17. März wurde Dehrn, vor allem aber auch Dietkirchen durch Bordwaffen beschossen. .... Die Einheiten des in Dehrn u. Dietkirchen stationierten Luftwaffenstabs rücken ab. Am Kalkofen zwischen Dietkirchen und Dehrn befindet sich z. Zt. ein Rotekreuzpark.

 

Dienstag, 20. März 1945

Am 20. März fielen Bomben in Eschhofen. Wobei eine Familie verschüttet wurde.


Samstag, 24. März 1945

Am 24. März wurde vor dem Kerkerbacher Tunnel bei Ennerich ein Munitionszug getroffen, so daß 2 Stunden lang Explosion auf Explosion erfolgte.

 

Sonntag 25. März 1945

Am Sonntag, dem 25. März, erlebte Limburg seinen schlimmsten Bombenangriff. Es wurden etwa 6 - 7 Bombenteppiche vor allem auf das Bahngelände abgeworfen. Dieses bildet nur ein wirres Durcheinander. Die schon so oft betroffene Holzheimerstraße ist jetzt endgültig zerstört. Im Keller der Lebensmittelgroßhandlung Hammerschlag in der Flathenbergstraße (Heute Wemer-Senger-Straße) liegen noch jetzt 22 Tote unter den Trümmern. Dieser Angriff war die letzte Vorbereitung für den amerikanischen Panzerangriff am folgenden Tag.


Montag 26. März 1945

In der Nacht von Sonntag auf Montag wurden die Autobahnbrücke und die kleine unbedeutende Dehrner Brücke gesprengt. Infolge der vollkommenen Vernichtung der gewaltigen Autobahnbrücke staute sich allmählich das Wasser der Lahn zu einem weiten See, der in der Breite vom Dehrner Wald bis zur Straße Dietkirchen-Dehrn reicht und diese teilweise überflutet. Mühlen steht vollkommen unter Wasser. Am Morgen des 26. März sollte die Limburger Brücke gesprengt werden. Die Sprengung erfolgte erst nachdem feindliche Panzer von Montabaur kommend dieselbe bereits passiert hatten. Dieselben fuhren wild feuernd in der Stadt umher. Eine Klarheit über die Kampfhandlungen in Limburg läßt sich nicht gewinnen. Kämpfe fanden an der Brücke statt. Die dort stehenden Häuser zeigen Spuren von diesen Kämpfen. Das sogenannte Haus "Blücher" wurde vollkommen vernichtet. Die Polizei u. Geh. Staatspolizei verteidigten sich im Dombunker und bei den Pallottinern. Es war auf jeden Fall kein geschlossener Wehrmachtsverband außer SS vorhanden, der sich am Dienstag über Lindenholzhausen und Linter zurückzog. Am Dienstagnachmittag (27.03.) waren um Limburg herum alle Kampfhandlungen eingestellt. Es soll an Gefallenen auf deutscher Seite etwa 50 Soldaten u. Zivilisten gegeben haben auf amerikanischer Seite etwa 22.


Dienstag, 27. März 1945

Am Dienstagmorgen fuhren die 3 ersten amerikanischen Wagen durch Dietkirchen. Die gesamte Bevölkerung hatte vorher schon / weiße Fahnen gehißt. Am Gründonnerstag rückten Panzertruppen mit ihren Kampfwagen in Dietkirchen ein. Die Häuser des oberen Dorfes mußten vollständig geräumt werden. Der Befehl dazu kam kurz vor Beginn des Gottesdienstes. Dieser mußte daraufhin auf den Nachmittag verlegt werden. Am Karfreitag bereits rückte dieser Verband wieder ab. Ihm folgten weitere amerikanische Truppen, die über Ostern blieben. Es waren die Limburger-, die Rhein-, die Ludwigstr., die Hintergasse, der Gartenweg, der Offheimerweg und die Rötherstr. z. T., gut also die Hälfte des Dorfes, geräumt worden. In manchen Häusern lagen an die 30 - 40 Soldaten. Seitdem blieb aber das Dorf auch vollständig verschont. Wie es immer in solch turbulenten Zeiten ist, feierten die niedersten Instinkte Triumphe. Der an der Dehrner Straße befindliche von den Deutschen zurückgelassene Sanitätspark wurde ausgeplündert.

Quelle:
Kreisheimatstelle des Landkreises Limburg-Weilburg (Hg.)
"Eigentlich ist kaum Zeit zum Schreiben ..", Tagebuchaufzeichnungen und Erinnerungen von Zeitzeugen an das Kriegsende 1945 im Landkreis Limburg-Weilburg, Limburg 2005