LM-1945

Camberg

Katholische Pfarrchronik

 

Samstag, 17. Februar 1945

Die Front war bedenklich nähergekommen. Immer häufiger wurden die Angriffe der feindlichen Flieger, die zumeist dem Bahngelände galten. Am Samstag 17.2. nachm. 4 Uhr wurde der Frankfurter Personenzug an der Bahnüberführung über dem Mühlweg mit Bordwaffen beschossen. Die Schwerverletzten habe ich sofort an der Unglücksstelle versehen. 12 von ihnen starben an Ort und Stelle, 3 auf dem Weg zum Hospital, 9 weitere bei u. nach der Operation.

 

Gründonnerstag, 29. März 1945

In der Frühe des Gründonnerstags (29.III) wurden an vielen Häusern auch an unserem Kirchturm weiße Fahnen gehißt. Doch gegen Ende unseres Gründonnerstagsgottesdienstes rückte eine SS Formation ein, richtete im Kirchturm eine Beobachtungsstelle ein - mein Einspruch hatte natürlich keinen Erfolg - u. verlangte unter Androhung der Beschießung!! die Einziehung aller weißen Fahnen. - Nun wußte der Gegner, woran er war. Um 11 Uhr eröffnete er das Feuer, das bis gegen 20 Uhr anhielt. Bald standen zwei Scheunen in Brand, am Untertor stürzte der Dachstuhl brennend zusammen, es war fast ein Wunder, daß das Feuer nicht weiter um sich griff! Volksschule u. / Kirchplatz, vor allem das , Treppchen' wurden mit Granatsalven eingedeckt. Auch der Kirchturm erhielt mehrer Volltreffer mit 17 cm Granaten. Ernster Schaden Ansatz des Turmdaches.

 

Quelle:
Kreisheimatstelle des Landkreises Limburg-Weilburg (Hg.)
"Eigentlich ist kam Zeit zum Schreiben ..", Tagebuchaufzeichnungen und Erinnerungen von Zeitzeugen an das Kriegsende 1945 im Landkreis Limburg-Weilburg, Limburg 2005